September 7, 2026
Sommerloch? September-Effekt? Warum der Kalender nicht über Ihre Bewerbung entscheiden sollte
„Im Sommer bringt Bewerben nichts. Ich warte bis September, wenn die Urlaubszeit vorbei ist.“
Diesen Gedanken kennen vermutlich viele. Und er klingt zunächst auch logisch: Im Sommer sind Entscheidungsträger auf Urlaub, Prozesse laufen langsamer und Rückmeldungen lassen manchmal länger auf sich warten. Im September kehren die Menschen zurück, Unternehmen starten wieder durch und Recruiting-Prozesse nehmen Fahrt auf.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Es gibt saisonale Tendenzen im Recruiting. Aber kein Jahr, kein Unternehmen und keine Vakanz funktionieren gleich. Manche Unternehmen reduzieren ihre Recruiting-Aktivitäten während der Sommermonate tatsächlich. Andere nutzen gerade diese Zeit, um Positionen zu besetzen, Projekte für den Herbst vorzubereiten oder Gespräche, ohne den üblichen Zeitdruck zu führen.
- Das Sommerloch existiert – manchmal
Natürlich kann die Urlaubszeit Auswirkungen auf Bewerbungsprozesse haben:
- Entscheidungsträger sind nicht immer gleichzeitig verfügbar.
- Abstimmungen dauern länger.
- Gesprächstermine lassen sich schwieriger koordinieren.
- Rückmeldungen kommen möglicherweise später als gewohnt.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass keine Einstellungen stattfinden. Häufig verlängert sich lediglich der Prozess.
Und während manche Bewerber:innen bewusst bis zum Herbst warten, kann gerade dadurch im Sommer auch weniger Konkurrenz auf einzelne Positionen bestehen.
- Auch der September-Effekt ist kein Naturgesetz
Nach dem Sommer kommt in vielen Unternehmen wieder Bewegung in offene Themen. Projekte werden weitergeführt, Entscheidungen getroffen und neue Positionen ausgeschrieben. Aber auch das gilt nicht überall gleichermaßen. Nicht jede Branche hat dieselben Zyklen. Nicht jedes Unternehmen plant im selben Rhythmus. Budgets, Projekte, Wachstum und Personalbedarf entwickeln sich unterschiedlich.
Hinzu kommt: Wer bewusst bis September wartet, trifft möglicherweise genau dann auf viele andere Bewerber:innen, die dieselbe Strategie verfolgt haben. Gleichzeitig können interessante Positionen, die bereits im Juli oder August ausgeschrieben waren, längst besetzt sein.
- Gute Chancen halten sich selten an den Kalender
Personalbedarf entsteht nicht nach einem allgemeinen Recruiting-Kalender. Eine spannende Position wird frei, weil jemand das Unternehmen verlässt. Ein neues Projekt wird genehmigt. Ein Unternehmen wächst schneller als erwartet. Ein Team übernimmt zusätzliche Aufgaben oder braucht kurzfristig Verstärkung. Solche Entwicklungen können im Februar genauso passieren wie im Juli oder September.
Genau deshalb halte ich wenig davon, den Zeitpunkt einer Bewerbung zu stark an vermeintlich „guten“ oder „schlechten“ Bewerbungsmonaten auszurichten. Wenn Sie eine Position sehen, die Sie interessiert und die zu Ihnen passt, dann bewerben Sie sich.
Natürlich gibt es ruhigere Phasen und Zeiten, in denen Unternehmen besonders intensiv rekrutieren. Diese Tendenzen können helfen, Entwicklungen am Arbeitsmarkt einzuordnen. Sie sagen aber wenig darüber aus, wie die Situation bei genau diesem Unternehmen und genau dieser Vakanz gerade aussieht.
Und letztlich kann man es vorher nie genau wissen. Vielleicht dauert der Prozess im August etwas länger. Vielleicht sucht das Unternehmen gerade besonders intensiv. Vielleicht sind im September deutlich mehr Bewerber:innen am Markt. Vielleicht ist die Position bis dahin bereits vergeben. Der Kalender kann Orientierung geben. Die Entscheidung, eine interessante Chance zu ergreifen, sollte er Ihnen nicht abnehmen.
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