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Mag.a (FH) Sabine Pötz

„Wenn KI empathischer wirkt als mancher Mensch, ist das kein Fortschritt der Technik, sondern ein Weckruf an uns, unsere emotionale Intelligenz zu stärken!“, erklärt Sabine Pötz, Gründerin von TECHSEARCH, Personalberaterin und Karriere-Coach im aktuellen Artikel:

November 11, 2025

KI im Recruiting und warum emotionale Kompetenz wichtig ist

Ich bin überzeugt, dass der Einsatz von KI im Recruiting nur dann einen echten Fortschritt bringt, wenn wir gleichzeitig unsere menschlichen Kompetenzen – vor allem Empathie, Selbstreflexion und Verantwortungsbewusstsein – weiterentwickeln.

Recruiting hat einen klaren Zweck: Wir wollen die passenden Menschen für unsere Organisationen finden und das nicht dem Zufall überlassen.
Professionelles Recruiting bedeutet, methodisch zu arbeiten, Hypothesen zu prüfen und Instrumente einzusetzen, die die Wahrscheinlichkeit von Fehlbesetzungen verringern.

KI verändert das Recruiting. Automatisierte Analysen, Chatbots oder intelligente Matching-Systeme machen Prozesse schneller und präzise, indem sie Daten schneller auswertet und Muster sichtbar macht. Effizienzsteigerung ist das naheliegende Argument – doch wer KI nur als Produktivitätstool versteht, greift zu kurz, denn KI verändert nichts an der Grundlogik des Recruitings: Es bleibt ein strukturierter, analytischer Prozess – keine Frage des Bauchgefühls, kein intuitiver Versuch, Passung zu erraten, kein Spiel von Glück, Sympathie oder Zufall.

 

Effizienz ist nur der Anfang

Automatisierung ist im Recruiting kein neues Thema. Seit über zwanzig Jahren digitalisieren Tools Bewerbungsprozesse – in manchen Branchen stärker, in anderen langsamer. KI beschleunigt diese Entwicklung. Doch jede neue Technologie fordert auch, dass wir uns selbst weiterentwickeln – technisch und emotional.

Zentrale Fragen sind für mich dabei:

Wie stellen wir Fairness und Diskriminierungsfreiheit sicher?
Wer trägt Verantwortung, wenn KI über Karrieren mitentscheidet?

Diese Fragen sind meiner Meinung nach nicht neu, aber KI macht sie nur sichtbarer.  Nicht die Technologie entscheidet, ob Prozesse fair sind, sondern die Menschen, die sie gestalten. KI ist kein moralischer Akteur, sondern ein Spiegel unserer Haltung.

 

Die Illusion der Empathie

KI kann empathisch wirken: mit freundlicher Sprache, wertschätzender Ansprache, schneller Reaktion. Doch das bleibt Simulation. KI zeigt Empathie, sie fühlt sie nicht. Echte emotionale Kompetenz entsteht nur durch menschliche Erfahrung, Selbstreflexion und Einfühlungsvermögen. Wenn KI empathischer wirkt als mancher Mensch, ist das kein Fortschritt der Technik, sondern ein Weckruf an uns, unsere emotionale Intelligenz zu stärken. Empathie ist ein menschlicher Auftrag. Ob mit oder ohne KI, Recruiting braucht Mitgefühl, Zuhören und echtes Interesse am Gegenüber.

Recruiting ist in erster Linie Beziehungsarbeit zwischen Organisation und Mensch. Wenn in diesem Prozess nur eine Seite KI einsetzt, entsteht ein Ungleichgewicht, das zu Misstrauen und Entfremdung führen kann. Deshalb ist Transparenz entscheidend. Beide Seiten, Bewerbende und Organisationen müssen wissen, wann sie mit einem System interagieren. KI kann Beziehungen erleichtern, aber nicht gestalten.

 

Neue Herausforderungen für HR

KI verändert Rollen und Strukturen. In der Softwareentwicklung etwa übernehmen KI-Tools zunehmend jene Aufgaben, die früher Junior-EntwicklerInnen erledigten.  Kurzfristig steigert das Effizienz und Qualität, langfristig entsteht jedoch eine Lücke: Wenn BerufseinsteigerInnen weniger Gelegenheit haben, praktische Erfahrung zu sammeln, fehlen mittelfristig Fachkräfte auf Intermediate- und Senior-Level.

 

Was wir heute tun können

  1. KI technisch verstehen: Wer Recruiting professionell gestaltet, sollte die Grundlagen von KI kennen, wie sie funktioniert, was LLMs leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Nur so lassen sich Potenziale bewusst nutzen und Risiken realistisch einschätzen.
  2. Transparenz schaffen: Offenheit ist die Basis für Vertrauen. Gegenüber Bewerbenden ebenso wie innerhalb des Unternehmens muss klar sein, wozu KI im Recruiting eingesetzt wird.
  3. Menschliche Kontaktpunkte stärken: Die durch Automatisierung gewonnene Zeit sollte dort investiert werden, wo echte Begegnung möglich ist: in persönlichen Gesprächen, im Zuhören, im ehrlichen Interesse am Gegenüber.
  4. Emotionale Kompetenz fördern: Professionelles Recruiting erfordert Selbstreflexion und Achtsamkeit. Wer sich der eigenen Haltung bewusst ist, kann KI-Ergebnisse empathisch interpretieren und Entscheidungen menschlich verantworten.
  5. Nachwuchs sichern: Auch wenn KI Routinearbeit übernimmt, müssen Lernräume bestehen bleiben. BerufseinsteigerInnen brauchen Chancen, um Erfahrung zu sammeln. Das ist die Grundlage für nachhaltige Kompetenzentwicklung.

 

Fazit: KI braucht menschliche Reife

KI verändert das Recruiting. Welchen Fortschritt diese Veränderung bringt, hängt von uns ab. Wer KI nutzt, muss bereit sein, sich weiterzuentwickeln – technologisch, ethisch und emotional.

Recruiting-Qualität entsteht dort, wo technologische Effizienz auf menschliche Reife trifft.

 

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